Camper Ausbau

2. Schritt: Wohnmobil-Boden isolieren

wohnmobil-boden-isolieren-campervan-camper-isolierung

[aktualisiert am 18.06.2020] Der Wohnmobil-Boden eures DIY Campervans bildet die Basis für den restlichen Wohnmobil Innenausbau. Deshalb schauen wir uns in diesem Blogartikel das Thema Boden isolieren im Wohnmobil mal genauer an. Grundsätzlich empfehlen wir eine Isolierung des Fahrzeugbodens, auch wenn ihr nur im Sommer unterwegs sein wollt. Zum einen kann sich das vielleicht ändern und ihr werdet zu Fulltime-Campern? Zum anderen besitzt der Boden eine große Fläche im Campervan und stellt damit eine große Kältebrücke dar. Allein deshalb solltet ihr eine Boden-Dämmung in Betracht ziehen.

Vorher müssen aber noch folgende Fragen geklärt werden: Welches Holzmaterial wollt ihr verwenden? Und welche Bodenisolierung braucht ihr bei eurem zukünftigen Wohnmobil? Isoliert ihr euren Wohnmobil-Boden, so wird dieser automatisch etwas dicker und nimmt euch womöglich Stehhöhe weg. Achtet also auch darauf, wenn ihr euren Wohnmobil-Boden dämmen wollt. Sind die selbstgebauten Möbel nämlich erstmal drin, gibt es logischerweise kein Zurück mehr (oder nur unter sehr hohem Aufwand).

1. Welches Holz eignet sich für die Wohnmobil-Bodenisolierung?

campervan-ausbau-boden-isolieren-holz
Je nach Fahrzeugtyp und Bodenbeschaffenheit könnt ihr für die Isolierung des Wohnmobil Bodens unterschiedliches Holz verwenden.

Egal ob Sprinter, VW-Bulli, Familienvan oder wie in unserem Falle Mercedes Benz 407 d mit Holzboden. Wollt ihr den Boden in eurem Wohnmobil isolieren, braucht ihr eine oder mehrere Bodenplatten. Je nachdem natürlich, ob ihr den Boden in einem Stück oder in mehreren Teilstücken einsetzen wollt. Bei der Wahl des Bodenmaterials gibt es unserer Ansicht nach zwei Optionen:

Mercedes Benz T2 oder alle KFZ mit Holzboden

Bei einem Mercedes Benz T2, dessen Holzplatte gleichzeitig den Boden eures Fahrzeugs darstellt, greift ihr am besten zu Siebdruckplatten. Diese sind durch ihre Phenoalharz-Beschichtung und einer speziellen Verleimung wasserabweisend und somit wetterbeständig. Zudem sind sie sehr robust und schalldämmend. Perfekt geeignet also als Grundboden für euren Düdo Campervan.

Bezüglich der Dicke bzw. Holzstärke hat jeder so seine Vorlieben. Wir haben 9mm genommen, da wir auf das Gesamtgewicht unseres Düdos achten müssen. Unsere Siebdruckplatten wiegen zusammengerechnet übrigens ca. 30kg. Siebdruckplatten sind extrem stabil und biegsam, weshalb wir die Entscheidung mit der 9mm Stärke bisher nicht bereut haben. Zusammen mit der Bodenisolierung + Abdeckplatte (die Bodenschicht, auf der wir später stehen werden) hält unser Boden bisher super.

Da wir aber auch nicht vorhaben, massive Holzmöbel in unseren Campervan zu bauen, reicht uns diese Stärke. Vor dem Umbau waren bei unserem Düdo 12mm dicke Siebdruckplatten drin. Wenn ihr also auf Nummer sicher gehen wollt oder wenn ihr nur den Boden austauschen wollt ohne ihn zu isolieren, nehmt die 12mm Stärke.

Neuere Fahrzeuge (Crafter, Sprinter, Ducato etc.) mit Grundboden aus Blech

Bei einem Fahrzeug, das über einen Blechboden verfügt, könnt ihr als abschließende Bodenplatte (die Bodenschicht, auf der ihr später mal stehen werdet) auch zu billigen OSB-Sperrholz-Platten in der dünnsten Stärke 9mm greifen. Euer Grundboden besteht ja aus Blech und trägt damit das Gewicht. Die OSB-Sperrholzplatten werden also im Gegensatz zum T2 Boden nicht von unten angegriffen (Matsch, Salze, Regen etc.). Sie müssen daher auch nicht entsprechend vielen äußeren Umständen trotzen.

Vorteil für euch: Ihr spart pures Geld, denn Siebdruckplatten sind um einiges teurer als OSB-Sperrholzplatten.

2. Welches Dämm-Material eignet sich zur Isolierung des Campervan-Bodens?

Hier gibt es mehrere Möglichkeiten: Styrodur ähnliche Materialien, Armaflex oder Kork. Auf jeden Fall sollte es feinporiges Material sein und eine schlechte Wärmeleitfähigkeit [W/(m*k)] besitzen. Wir haben uns für Linitherm entschieden. Hierbei handelt es sich um PU-Hartschaumplatten, die beidseitig eine Dampfsperre in Form einer Aluminiumschicht besitzen. Die Platten sind im Vergleich zu Armaflex günstiger und verfügen über einen sehr niedrigen Wärmeleitfähigkeitswert.

Kork: 0,037 – 0,040 W/(m*k)^
• Vorteile Kork: Natürlicher Rohstoff; gute Dämmwirkung
• Nachteile Kork: kann schnell sehr teuer werden; nicht überall erhältlich

Armaflex: 0,035 W/(m*k)^
• Vorteile Armaflex: wird meist sowieso zur Fahrzeugdämmung benutzt, ist also bereits vorhanden; gute Dämmwirkung
• Nachteile Armaflex: teuer; nicht überall erhältlich

Styrodur: 0,035 W/(m*k)^
• Vorteile Styrodur: in jedem Baumarkt erhältlich; günstig
• Nachteile Styrodur: leicht entflammbar

Linitherm: 0,02 W/(m*k)
• Vorteile Linitherm: sehr gute Dämmwirkung; günstig; in (fast) jedem Baumarkt erhältlich
• Nachteile Linitherm: kleinste Plattenstärke liegt bei 80mm (Stichwort Stehhöhe) Korrektur vom 29.07.2020: die Platten gibt es bereits ab 30mm Stärke

Wie ihr seht nimmt sich das Dämm-Material bei der Wärmeleitfähigkeit nicht viel. Korkt ragt als natürlicher Rohstoffe natürlich raus, falls ihr darauf Wert legt. Ansonsten gilt es eher, die benötigte bzw. im Handel verfügbare Plattenstärke im Auge zu behalten. Natürlich nur solange ihr bei der Stehhöhe auf jeden Millimeter achten müsst. Da wir sowieso keine Stehhöhe in unserem Mercedes Bus haben, war uns die niedrige Wärmeleitfähigkeit wichtiger.

3. Wie gehe ich vor, wenn ich meinen Wohnmobil-Boden isolieren will?

wohnmobil-boden-isolieren-daemmung-campervan
Wohnmobil Bodenisolierung mit Holzrahmen und Isolierung – noch ohne abschließender Holz-Bodenplatte

Zunächst kommt es darauf an, ob euer Fahrzeug einen Blechboden hat oder einen Holzboden als Grundlage (siehe Frage 1). Bei beiden Varianten können wir euch nur schildern, wie wir vorgehen würden bzw. vorgegangen sind. Wenn ihr noch weitere Vorgehensweisen kennt, wie man den Boden in einem Camper isolieren kann, dann ab damit in die Kommentare! 🙂

Variante 1: Fahrzeug mit Blechboden (Crafter, Sprinter, Ducato etc.)

  • Falls vorhanden: Alten Holz-Boden entfernen, Rost beseitigen, Blechboden putzen
  • Holzrahmen aus Holzbalken konstruieren (Hier auf die Dicke eures Isolierungsmaterials achten und die Holzbalken entsprechend wählen)
  • Zwischen die einzelnen Holzbalken kommt die Isolierung rein. Bei Bedarf unverklebt, solltet ihr diese eines Tages aus welchen Gründen auch immer entfernen wollen.
  • Anschließend kommt die OSB-Sperrholz-Platte oder mehrere OSB-Sperrholzplatten oben drauf. Je nachdem, ob ihr diese nicht als ganzes Stück, sondern in kleinen Einzelteilen verschrauben wollt. Hier reicht die dünnste Schicht (9mm). So spart ihr Gewicht und Kosten.
  • Zum Schluss noch Linolium, Vinyl oder Parket verlegen (verwendet bei Linolium unbedingt entsprechenden Linoliumkleber, damit euch dieses im Sommer nicht wölbt bzw. Blasen bildet)
  • über einen isolierten Campervanboden freuen!
wohnmobil-boden-dämmen-campervan-isolierung
Wohnmobil Bodenisolierung – Aufbau inklusive Sperrholz-Platte

Variante 2: Fahrzeug ohne Blechboden (Fahrzeug mit Holzboden: Düdos)

  • Alten Holzboden entfernen, Rost am Rahmen beseitigen, Rahmen putzen und versiegeln.
  • Form des alten Holz-Bodens (falls im Ganzen vorhanden) auf neue Siebdruckplatte übertragen. Ansonsten Maße vom Rahmen nehmen und in passende Siebdruckplattenstücke und -größen unterteilen (umso weniger Teile, umso stabiler bleibt eure Unterkonstruktion logischerweise). Wir haben unseren Boden in insgesamt vier Siebdruckplatten unterteilt. Achtet bei mehreren Teilen darauf, dass diese mit sovielen Rahmenträgern wie möglich Kontakt haben, um mehr Stabilität hinzubekommen und um das Festschrauben zu erleichtern.
  • Siebdruckplatte oder -platten auf dem Rahmen verschrauben (wir haben die Siebdruckplatten kurz vor dem Festschrauben an der Unterseite noch mit Bitumen^ bestrichen, da man so besser ran kommt, als wenn man später unter dem Düdo liegt). Sollte euer Boden nur aus einer einzigen, großen Siebdruckplatte bestehen wirds schwierig mit dem Vorher-Bestreichen. Zur Not müsst ihr eben unter euren Mercedes Bus kriechen. Zu einer Versiegelung der Siebdruckplatte von unten können wir nur raten. So habt ihr einfach länger was von eurem Boden…
  • Anschließend die Fugen und Splaten mit einem Silikondichtstoff abdichten. Verwendet hier am besten was hochwertiges wie z. B. Sikaflex^ oder Superflex^. Wir haben letzteres genommen und den Kauf bis heute nicht bereuht!
  • Nun kommt die Holzrahmenkonstruktion, zwischen die ihr die Isolierung legt. Wir haben unseren Boden leider ohne Holzrahmenkonstruktion isoliert und bereuen es etwas. Vorteil des Holzrahmens ist einfach, dass ihr hier später die Möbel einfach viel besser in den Holzrahmen verschrauben könnt und keine langen Schrauben habt, die durch eure Isolierung und euren Unterboden gehen… Zieht diesen Schritt also auf jeden Fall in Erwägung und macht nicht den selben Fehler wie wir ;D
  • Nach der Isolierung noch die abschließende Bodenplatte verlegen (OSB-Sperrholz, falls ihr nicht aufs Gewicht achten müsst) oder wie in unserem Falle z. B. dünne Pappelholz-Platten
  • Jetzt noch Vinyl oder Parket verlegen und über einen isolierten Wohnmobil-Boden freuen!
Weitersagen:

12 Kommentare

  • Hohe Dichte -> schlechte Wärmeleifähigkeit??? Das Gegenteil ist der Fall! Das nächste mal bitte besser Recherchieren, wenn du einen Bericht schreibst!
    So führst du andere in die Irre!

    • Hey Dude,

      danke für deinen Kommentar. Auch wir sind nicht perfekt und haben die entsprechende Zeile ausgebessert :-).

      LG,

      Viktor

  • Hallo! Danke für den schönen Eintrag!
    Ich bin gerade auf der Suche nach Linitherm. Wo genau kann ich das finden?

    Liebe Grüße

  • Hallo Ihr Lieben, welches Material habt Ihr zwischen lackiertem Hilfsrahmen und Siebdruckplatte genommen, zwecks Dämpfung bzw. Puffer- ich dachte an alubytyl in 2 mm Stärke.? Lieben Dank für eine Antwort…

    • Hey Guido,

      wir haben zwischen dem Hilfsrahmen und den Siebdruckplatten normales Bitumen^ genommen. Sprich dieses sowohl auf den Hilfsrahmen gepinselt oder gesprüht als auch auf die Unterseite der Siebdruckplatte. Das wäre Option 1.

      Option 2 wäre ein Fettband von z. B. Mike Sanders^, welches duu auf den Rahmen als Zwischenschicht kleben könntest.

      Option 3: Benutze einfach das Armaflex Klebeband^! Armaflex ist wasserbeständig und für die Isolierung deiner Seitenwände benötigst du es sowieso 🙂

      Alubutyl ginge sicher auch! Ist aber einfach unnötiges Gewicht, das du an dieser Stelle einsparen kannst.

      Viel Erfolg beim Isolieren und Ausbauen.

    • Hallo Nathalie,

      leider wissen wir das nicht.

      Einerseits ist das abhängig von der angestrebten „Stehhöhe“ im Van und andererseits von eurer Blechbeschaffenheit.

      Da wir uns mit dem Fiat Ducato leider nicht auskennen, können wir dazu nichts sagen.

      Achte am besten einfach darauf, dass das Kantholz hoch genug ist, damit die abschließende Bodenplatte nicht auf dem Blechboden aufliegt (dies sorgt sonst nur für unangenehme Quietschgeräusche während der Fahrt, weil das Holz womöglich gegen das Metall reibt).

      Viel Erfolg!